Geplante Reform der Pflegeberufe – Gespräche vor Ort. Stefan Schwartze besucht Pflegeschulen in Bünde, Enger und Herford

(v.l.n.r.) Krankenpflegeschülerin Antonia Hellmich, Andreas Fritsche, Martina Waldeyer, Krankenpflegeschüler Lukas Hinzmann, Stefan Schwartze, Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei, Basma Khoraga, Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze
Treffen im Lukaskrankenhaus

Besuch im Lukas-Krankenhaus

Den Auftakt bildete ein Besuch der Krankenpflegeschule des Lukaskrankenhauses in Bünde. Bei Gesprächen mit dem Vorstand des Krankenhauses, Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei, der Pflegeleiterin Martina Waldeyer, dem Schulleiter Andreas Fritsche und Schülern der Krankenpflegeschule informierte sich Schwartze über die aktuelle Ausbildungssituation, Kooperationspartner, praktische Probleme und zu erwartende Entwicklungen im Bereich der klinischen Ausbildung.

Schwartze erläuterte den Beteiligten den Stand des Gesetzgebungsverfahrens zum Pflegeberufereformgesetz und forderte die Teilnehmer dazu auf, aus ihrer Sicht mögliche Schwachstellen, aber auch gelungene Ansätze aufzuzeigen. Aus Sicht der Klinik sei eine Zusammenlegung der Alten- und Krankenpflegeausbildung (Generalistik) vorstellbar, insbesondere vor dem Hintergrund des weiter steigenden medizinischen Bedarfs in der Pflege. Eine Integration der Kinderkrankenpflege wurde aufgrund der hohen Spezialisierung jedoch kritisch gesehen.

Dr. Sorgenfrei teilt die Einschätzung Schwartzes, dass die Pflege grundsätzlich aufgewertet werden müsse und schlug die Einrichtung einer eigenen Pflegekammer vor, um den Ärztekammern einen Partner auf Augenhöhe gegenüberstellen zu können. Daraus folge, dass Kompetenzen im Stationsalltag neu geordnet werden müssen.

Andreas Fritsche erklärte Schwartze, der Fachverband für Lehrende trage die Generalistik mit, sofern die dazugehörige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (die noch aussteht und selbst nicht Bestandteil des zu beschließenden Gesetzes ist) den hohen Ansprüchen der Krankenpflege genüge und praktikabel sei. Wichtig sei eine strukturierte Ausbildung und praxisrelevante Theorie, die auch wirklich im Alltag benötigt werde. Für die Schüler sei es hingegen wichtig, genug Zeit für die einzelnen Praxisstationen der Ausbildung zu erhalten. Es dauere drei bis vier Wochen, bis man auf einer Station angekommen und eingearbeitet sei und die Kollegen kennengelernt habe. Das sei wichtig, um das erlernte Wissen auch sinnvoll einbringen zu können.

Zum Abschluss des Besuchs nahm Stefan Schwartze an einer Unterrichtseinheit der Schule teil und ließ sich vom Schulleiter Andreas Fritsche ausführlich die Abläufe, Stationen und Wegmarken der Ausbildung in der Krankenpflegeschule des Lukas-Krankenhauses erläutern.

Gespräch im Altenpflegeseminar

Als zweite Station stand ein Besuch des Altenpflegeseminars der Kolping Akademie für Gesundheits- und Sozialwesen in Enger auf dem Programm. Akademieleiterin Andrea Künzel und Seminarleiterin Christiane Piesch schilderten ihre Erwartungen an das Pflegeberufereformgesetz und machten zugleich die aus ihrer Sicht noch erforderlichen Verbesserungen deutlich. In der Altenpflege ist die Trägerlandschaft der Schulen – im Gegensatz zu den Krankenpflegeschulen – in den meisten Fällen sehr kleinteilig. Nicht ein großes Krankenhaus, sondern viele kleine ambulante oder stationäre Einrichtungen stellen die Auszubildenden, was ein großes Maß an Koordination bei den Praxiseinsätzen erforderlich mache. Dies müsse bei der Ausgestaltung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Berücksichtigung finden. Ungeklärt  und für viele Schulen deshalb problematisch sei außerdem, dass der Gesetzesentwurf keine Übernahme der Investitionskosten der Schulen vorsehe. Stefan Schwartze machte deutlich, dass er diesen Einwand nachvollziehen könne und ebenfalls Nachbesserungsbedarf sehe. 

(v.l.n.r.) Basma Khoraga, Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze, Andrea Künzel, Stefan Schwartze, Christiane Piesch

Im anschließenden Gespräch mit Schülern des Altenpflegeseminars stellte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete den Fragen der angehenden Pflegekräfte. Welche Möglichkeiten des Jobwechsels von der Altenpflege in die Krankenpflege oder umgekehrt bietet das neue Gesetz? Werden sich die Gehälter für die Altenpflegekräfte verbessern und der Krankenpflege angeglichen? Diese und andere Fragen beschäftigten die Schüler, die sich sehr intensiv mit ihrem Berufsfeld auseinandergesetzt und sich bewusst für den Berufszweig entschieden haben. Schwartze machte den Schülern deutlich, dass ein wichtiges Ziel der Reform die Erleichterung eines Wechsels zwischen Alten- und Krankenpflege sei und er grundsätzlich die Forderung nach einer finanziellen Gleichstellung unterstütze.

Diskussion im Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg

Den Abschluss der Gesprächsreihe bildete der Besuch im Elisabeth-von-der-Pfalz-Berufskolleg in Herford. Monika Heinis, Gert Flörke und Julia Krohne, Fachlehrer der Einrichtung, stellten die Notwendigkeit des Ausbildungsganges Kinderpflege vor, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für die Absolventen, aber auch für die Kindertagesstätten und andere Träger, die auf qualifiziertes Personal angewiesen seien. Gerade die Ausbildung zum Kinderpfleger biete eine Chance, einen Weg in den Arbeitsmarkt zu finden. Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Hauptschulabschluss.

Probleme werden auch hier im Bereich der Bezahlung gesehen. Aufgrund der Qualifikation und Ausbildungsinhalte ist der Beruf des Kinderpflegers nicht direkt vom Pflegeberufereformgesetz betroffen. Der Abschluss ermöglicht jedoch die Weiterbildung zum Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpfleger.

Diskutiert wurde darüber hinaus über die Qualität in der Kita-Betreuung sowie berufliche Möglichkeiten in der Kindertagespflege. Michaela Peters, Absolventin der Schule, forderte einheitliche Standards beim Zugang zum Berufsfeld der Kindertagespflege. Die Erlaubnis zur Kindertagespflege, zu die der Berufsabschluss „Kinderpfleger“ grundsätzlich berechtigt, die in der Regel von den Kreisbehörden erteilt wird, würde teilweise nach unterschiedlichen Maßstäben erteilt. Hier sehen Heinis, Krohne und Flörke noch Nachbesserungsbedarf.

Stefan Schwartze zeigte sich sehr erfreut über den Erfolg des Berufskollegs und seiner steigenden Schülerzahlen und konnte sich der Bedarfsanalyse der Schule nur anschließen. 

(v.l.n.r.) Schülerin Gina-Marie Winkelmann, Julia Krohne, Michaela Peters, Stefan Schwartze, Gert Flörke, Basma Khoraga - Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze, Monika Heinis

Sein Resümee des Tages fiel eindeutig aus. „Ich habe heute drei ganz unterschiedliche Pflegeausbildungsstätten im Wahlkreis besucht, die jede für sich in unterschiedlicher Art und Weise vom Pflegeberufereformgesetz betroffen sein wird. Mein Eindruck bestätigt sich, dass die Reform insgesamt auf Zustimmung stößt, es aber noch reichlich Stellschrauben gibt, die justiert werden müssen. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, Investitionskosten, Zugangs-voraussetzungen, Bezahlung – all das sind Punkte, über die wir in der Fraktion und in den Ausschüssen noch sprechen müssen. Ich bin froh über die große Resonanz beim Fachgespräch und den offenen Worten bei meinen Besuchen. Jetzt gilt es, die Anregungen und Kritikpunkte in den Entwurf sinnvoll einzuarbeiten“, erklärte Schwartze die nächste Aufgabe zum Thema Pflegeberufereformgesetz.

Foto Lukaskrankenhaus Bünde: (v.l.n.r.) Krankenpflegeschülerin Antonia Hellmich, Andreas Fritsche, Martina Waldeyer, Krankenpflegeschüler Lukas Hinzmann, Stefan Schwartze, Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei, Basma Khoraga, Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze

Foto Kolpingakademie Enger: (v.l.n.r.) Basma Khoraga, Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze, Andrea Künzel, Stefan Schwartze, Christiane Piesch

Foto Elisabeth v.d.P. Berufskolleg Herford: (v.l.n.r.) Schülerin Gina-Marie Winkelmann, Julia Krohne, Michaela Peters, Stefan Schwartze, Gert Flörke, Basma Khoraga - Praktikantin aus Ägypten bei Stefan Schwartze, Monika Heinis