Stefan Schwartze verbrachte eindrucksvollen Tag bei den "Vlothoer für Flüchtlinge" - Berlin muss Ehrenamt bestmöglich unterstützen

Stefan Schwartze im Gespräch mit den ehrenamtlichen Sprachlehrerinnen in Vlotho
Stefan Schwartze im Gespräch mit den ehrenamtlichen Sprachlehrerinnen in Vlotho

Dass Entscheidungsträger Flüchtlinge und Flüchtlingsarbeit hautnah erleben, war Ulrich Ammons Grundgedanke für die Einladung: „Nur so können wir daran mitwirken, dass in Bundestag und Landtag menschen- und praxisgerecht Entscheidungen gefällt werden“. Stefan Schwartze zeigte sich tief beeindruckt: „Ich ging als Lernender rein, aber längst nicht als Ausgebildeter wieder hinaus – so könnte man meinen Tag in Vlotho zusammenfassen. Es ist immer wieder eindrucksvoll zu sehen, wie aufopferungsvoll sich die Ehrenamtler vor Ort um die Menschen kümmern, die zu uns geflohen sind“.

Erste Station bei Stefan Schwartzes Besuch in Vlotho war das Gespräch mit einer syrischen Familie, die mit fünf Kindern recht beengt in einer von der Stadt Vlotho angemieteten Wohnung lebt. 3600 Dollar hatten sie an Schleuser bezahlt, die sie auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer geschickt hatten. Nach einer wahren Odyssee war die Familie endlich im sicheren Vlotho angekommen und zur Ruhe gekommen. Gerne hätte sie etwas mehr Platz, leider stehe aber zur Zeit keine größere Wohnung zur Verfügung.

Von den ehrenamtlichen Vlothoer Sprachlehrerinnen, die sich mit niedrigschwelligen Sprachkursen um Flüchtlinge kümmern, die nicht an offiziellen Angeboten teilnehmen können, ließ sich Stefan Schwartze über deren beeindruckende und schwierige Arbeit berichten. Manchmal sei es problematisch, Frauen mit kleinen Kindern zum Sprachkurs zu bewegen, solange es keine verlässliche Kinderbetreuung gebe und Kita-Plätze rar seien. Ab und zu entpuppe sich auch der Ehemann als Hemmschuh, der es nicht gerne sehe, wenn seine Frau außerhalb der Wohnung etwas selbstständig unternehme. Zum Glück seien diese Männer aber eher in der Minderheit, wussten die ehrenamtlichen Lehrerinnen zu berichten. Sie überlegen zur Zeit, einen reinen Frauenkurs mit paralleler Kinderbetreuung einzurichten.

In der städtischen Unterkunft an der Jägerortsstraße wurde der Abgeordnete von drei Flüchtlingen aus Westafrika begrüßt, die recht bedrückt wirkten. Sie fühlen sich zum Nichtstun verdammt, solange sie den Fortgang ihres Verfahrens abwarteten. Ähnlich ergeht es den Bewohnern der Unterkunft in der Möllberger Straße. Dort führte Stefan Schwartze mit Unterstützung eines städtischen Dolmetschers ein sehr offenes Gespräch mit den jungen männlichen Bewohnern. Der Abgeordnete bat um Verständnis für die langen Bearbeitungszeiten ihrer Asylanträge. Ursache sei die große Zahl an Flüchtlingen, die in den Herbstmonaten gekommen seien. Die Flüchtlinge bedankten sich für die freundliche Aufnahme in Deutschland, und hatten einen Wunsch: Sie wollten endlich nicht mehr nur schlafen und essen, sondern arbeiten.

Beim Abschlussgespräch im Rathaus diskutierte Stefan Schwartze mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Fachbereich Soziale Dienste und Bürgermeister Rocco Wilken. Dabei ging es um die Möglichkeit eines Internet-Zugangs in den städtischen Unterkünften sowie die physische und psychische Belastung von haupt- und ehrenamtlich tätigen Flüchtlingshelfern. Schwartze versprach, im direkten Austausch mit der Gruppe zu bleiben und sich in Berlin dafür stark zu machen, dass die Kommunen mit ihren ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften bestmöglich in ihrer Arbeit unterstützt werden. „Wir werden uns im Bundestag überlegen, was man optimieren muss, damit die Vereine und die Kommunen bestmöglich in ihrer Arbeit unterstützt werden“.