„Hauptamt und Ehrenamt an einen Tisch bringen“ - Fachtagung „Gesundheitliche Versorgung“ im Kreis Herford

Stefan Schwartze im Gespräch mit den Teilnehmern der Fachtagung "Gesundheitliche Versorgung"
Fachtagung "Gesundheitliche Versorgung" im Kreis Herford - Gruppendiskussion zum Thema Demenz

Kreis Herford. Ehepaar Sabine und Klaus B., ist beruflich sehr eingebunden. Sie ist Lehrerin in Vollzeit, er führt ein großes Unternehmen und ist deswegen häufig im Ausland. Seine Mutter Gerda, 84 Jahre und Witwe, hat bisher in ihrem Haus sich gut selbst versorgt. Durch einen plötzlichen Schlaganfall ist sie ins Krankenhaus gekommen. Dann kommt der Tag der Entlassung. Im Entlassungsgespräch wird Sabine und Klaus B. deutlich gemacht, dass ihre Mutter/ Schwiegermutter als dauerhaft pflegebedürftig in ihre Obhut entlassen wird.

So oder so ähnlich sieht die tatsächliche Lebenssituation vieler Bürgerinnen und Bürger aus. Bei der Fachtagung „Gesundheitliche Versorgung“ im Kreishaus Herford kamen Akteure unterschiedlichster Fachrichtungen zusammen. Sie haben sich mit solchen und ähnlichen sehr lebensnahen Fällen beschäftigt. In Kleingruppen wurden die Themen: „Wenn „Gäste“ Hilfe brauchen –  Gute Begleitung trotz Sprachproblemen“, „Halt im Vertrauten suchen – Wenn’s ans Sterben geht“ und „Von einem Tag auf den anderen – Pflegen, aber wie?“ diskutiert und Lösungsansätze entwickelt. Diese wurden im Abschlussplenum vorgestellt.

„Wir haben festgestellt, dass es schon viele gute Ansätze gibt. In Krankenhäusern ist einiges an Sprachkompetenz vorhanden. Mitarbeiter helfen bei Übersetzungen. Außerdem gibt es ein breites ehrenamtliches Engagement. Aber diese ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wissen oft nichts voneinander. Hier müssen wir ansetzen und Netzwerke aufbauen“, erklärte der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze für das Thema Demenz. In der Gruppe wurden auch konkrete Lösungsansätze erarbeitet. „Wir müssen Hauptamt und Ehrenamt an einen Tisch bringen. Dort soll ein Leitfaden oder Wegweiser entwickelt werden, in dem die Menschen Unterstützungsangebote und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden“, erklärte Schwartze.

Die Gruppe zum Thema Pflege, die von Ina Roleder, Mitarbeiterin des Kirchenkreises Vlotho moderiert wurde, hat festgestellt, dass eine frühzeitige Information und Aufklärung wichtig ist. Lösungsansätze könnten zum Beispiel sein, im Krankenhaus Kontakt zum sozialen Dienst aufzunehmen, Gespräche innerhalb der eigenen Familie zu führen und eine Patientenverfügung aufzusetzen. Auch hier müssen ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit miteinander vernetzt werden.

Gruppendiskussion: „Von einem Tag auf den anderen – Pflegen, aber wie?“
Fachtagung "Gesundheitliche Versorgung" im Kreis Herford - Gruppendiskussion: „Von einem Tag auf den anderen – Pflegen, aber wie?“

Palliative Pflege und Medizin müssen ausgebaut werden. In der Gruppe „Wenn´s ans Sterben geht“ wurde festgehalten, dass die Begleitung zu Hause durch palliative Fachpflege gewährleistet sein muss. „Wünschenswert ist auch ein Hospiz im Kreis Herford.“ so der Moderator dieser Gruppe Holger Kasfeld, Kirchenkreis Herford.

Gruppendiskussion zum Thema "Halt im Vertrauten suchen – Wenn’s ans Sterben geht“
Fachtagung "Gesundheitliche Versorgung" im Kreis Herford - Gruppendiskussion zum Thema "Halt im Vertrauten suchen – Wenn’s ans Sterben geht“

Landrat Jürgen Müller stellte außerdem fest, dass die Tagespflege im Kreis Herford ausgebaut werden muss. Die Hausärzteversorgung müsse weiter vorangetrieben werden. „Wir brauchen immer wieder Impulse , wie es mit der gesundheitlichen Versorgung im Kreis Herford weitergehen soll. Wir haben hier tolles ehrenamtliches Engagement, das aber koordiniert werden muss. Die Fachtagung ist dafür ein Startschuss“, sagte Müller, “Der Kreis Herford wird die Ergebnisse der Fachtagung aufarbeiten und weiterverfolgen. Mir ist es wichtig, jetzt die Unterstützung der ehrenamtliche Strukturen zu verbessern“

Der runde Tisch „Demografischer Wandel“ ist Ausrichter der Fachtagung. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Kreis Herford, dem Kirchenkreis Herford, dem Kirchenkreis Vlotho, der Friedrich-Ebert Stiftung sowie Stefan Schwartze, Mitglied des Bundestages. Interessierte Einrichtungen und Institutionen können sich jederzeit dem runden Tisch „Demografischer Wandel“ anschließen.